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Infothek

Soziale Beziehungen und Prisonisierung

 
Regelverstösse und Straftaten in der Strafanstalt Pöschwies
Markus Aeberli
Strafanstalt Pöschwies

Nach einer kurzen Vorstellung der Justizvollzugsanstalt Pöschwies, erläutert der Autor das Disziplinarwesen des Justizvollzugs im Allgemeinen. Er geht der Frage nach, wieso ein Sanktionssystem wie das Disziplinarwesen im Vollzug als notwendig erscheint, und schildert die historische Entwicklung als auch die Rechtsgrundlagen des bestehenden Disziplinarwesens der Justizvollzugsanstalt Pöschwies. Exemplarisch erläutert er auf dieser Basis einzelne Disziplinarstrafbestände und schwerwiegende Fälle von Straftaten, die Gefangene in der Anstalt verübten. In einem weiteren Teil der Arbeit behandelt der Autor das Thema der Gewalt im Vollzugsalltag und nennt dabei verschiedene die Gründe, welche Gewalt hervorbringen könnten. Zum Schluss liefert der Autor Ansatzpunkte für ein gewaltpräventives Handeln im Vollzug.

Arrest- und Sicherungsmassnahmen im Massnahmenzentrum Bitzi
Martin Bürge
Massnahmenzentrum Bitzi

Die Arbeit thematisiert Arrest- und Sicherungsmassnahmen, wie sie in einem Massnahmenzentrum verfügt werden. Der Autor stellt zunächst das Massnahmenzentrum Bitzi vor und geht speziell auf die Aufgaben des Sicherheitsdienstes ein. Im Anschluss erläutert er die rechtlichen Grundlagen der Sicherungs- und Disziplinarmassnahmen und beschreibt daran anknüpfend auf der Basis von Interviews die Sanktionierungs- und Sicherungspraxis des Massnahmenzentrums Bitzi. Die Ausführungen werden mit aussagekräftigen Fallbeispielen illustriert. In diesem Zusammenhang schildert der Autor auch sein eigenes Erleben beim Sanktionieren und Sichern von Insassen. Zum Schluss präsentiert er zudem eine Typologie der Verhaltensmuster und der Bewältigungsstrategien der Insassen in der Arrestzelle, was die zum Teil sehr beschränkte disziplinierende Wirkung des Arrests aufzuzeigen vermag.

Les activités externes permettent-elles de faire face à la prisonniérisation de l’agent de détention ?
Joao Costa-Estevao
Prison de Champ-Dollon

Le mémoire traite des effets de l’incarcération sur l’individu, soit la personne détenue mas aussi le collaborateur qui travaille dans le milieu de l’exécutions de peines et mesures. L’auteur essaie de déterminer dans quelle mesure les collaborateurs sont conditionnés par leur environnement professionnel. L’analyse des réponses aux questionnaires retournés, permettent à l’auteur de discuter ses hypothèses. Sur cette base il propose des moyens pour contrer ou réduire les effets de la prisonniérisation sur l’agent de détention. 

Das erste Mal in Untersuchungshaft aus Sicht eines Insassen
René Frei
Flughafengefängnis Kloten

Der Autor beschreibt zunächst das Konzept der „totalen Institution“ des Soziologen Erving Goffman und schildert in dieser Perspektive die grundsätzlich negativen Auswirkungen des Aufenthalts in einer geschlossen Anstalt für die Psyche der Inhaftierten. Daran anknüpfend und am Beispiel des Eintritts in die Untersuchungshaft schildert er dann die Abläufe im Detail. Anhand eines Interviews beschreibt er auch, wie die Eintrittsphase von einem Betroffenen erlebt wird. Abschliessend weist er darauf hin, dass sich die aktuellen Bedingungen in der Untersuchungshaft gegenüber der Situation, welche Goffman beschrieb wesentlich verbessert haben. Ausschlaggebender Faktor für die Bewältigung der Haftsituation sei der professionelle und respektvolle Umgang der Mitarbeitenden mit den Insassen.

Les conséquences juridiques, familiales et psychologiques d'une longue peine privative de liberté sur le rôle de père
Ricardo Greco
EPO

A l’aide de détenus étant père, l’auteur discute les effets d’une longue peine privative de liberté sur le rôle du père au sens juridique, social, familial et psychologique. Les différentes approches et différents thèmes sont abordés sur la base d’entretiens menés ave les détenus.

Hier stinkt’s…! Überlegungen zur Geruchssituation im Gefängnis Zürich und einem möglichen gezielten Einsatz von Düften
Caroline Hackel
Gefängnis Zürich

Die Arbeit untersucht, ob mit dem gezielten Einsatz von Düften das Wohlbefinden von Mitarbeitenden, Insassen und Besuchern im Gefängnis Zürich verbessert werden könnte. Nach einer eingehenden Darstellung der Theorien über das Riechen, die Duftstoffe und deren Einsatz in anderen Institutionen schildert die Autorin einige im Gefängnis Zürich durchgeführte Versuchsanordnungen: Die Beduftung des Anwaltszimmers, der Zentrale und einzelner Büros sowie die Abgabe von individuell abgestimmten, duftenden Taschentüchern und die Reaktion darauf. Die Autorin kommt zum Schluss, dass mit dem Einsatz von Düften eine positive Wirkung erzielt werden könne und dass die explorative Studie eine weiterführende standardisierte Untersuchung verdiene.

L'agression en milieu pénitentiaire, à l'exemple de Champ-Dollon
Julien Hameau
Prison de Champ-Dollon

Les agressions correspondent à un fléau quotidien pour les agents de détention. Partant de ce constat, l’auteur défini l’agression. Il formule une typologie différenciant agression verbale et agression physique et identifiant différents stades de ce sentiment. À l’exemple de Champ-Dollon il liste les facteurs qui expliquent un taux élevé d’agression, notamment la surpopulation de la prison. Le mémoire décrit aussi les agressions pratiquées envers les agents de détention et celles pratiquées entre détenus. La légitime défense et la gestion du stress sont proposées comme moyens pour réduire l’agressivité en prison.

Der Gefängnisalltag über den Blickwinkel der Kamera
Andrea Hirsig
Justizdepartement des Kantons Schwyz

Die Kameraüberwachung gehört heute zum Sicherheitssystem jeder Justizvollzugsanstalt. Ausgehend von der Frage, welche Wirkung die Kameraüberwachung auf Insassen und Mitarbeitende entfaltet, beschreibt die Autorin die gesetzlichen Grundlagen der Kameraüberwachung sowie die Situationen und Umstände, während denen die Inhaftierten im Kantonalgefängnis Schwyz überwacht werden. Auf der Basis eines Fragebogens geht sie im Anschluss der Frage nach, welche Gefühle die Kameraüberwachung bei Insassen und Mitarbeitenden hervorbringen. Sie gibt zudem Einblick in ihr persönliches Erleben als Zentralistin und Mitarbeiterin des Sicherheits- und Betreuungsdienstes im Kantonalgefängnis Schwyz.

Eintritt in die totale Institution. Ablauf, Eindruck und Belastung für den Insassen und die Mitarbeitenden am Beispiel der Anstalten Bellechasse
Urs Kaufmann
Anstalten Bellechasse

Der Autor geht in seiner Arbeit vom Konzept der „totalen Institution“ des Soziologen Erving Goffman aus, das auf Beobachtungen psychiatrischer Anstalten der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts basiert. Es beschreibt das Gefängnis als Ort der Isolation und des Angriffs auf die Individualität der Eingewiesenen. Am Beispiel der Anstalten Bellechasse stellt sich der Autor die Frage, ob das Konzept der totalen Institution noch aktuell ist. Er schildert die Organisation und die Abläufe der Anstalt und erläutert, unter Einbezug des Erlebens von Inhaftierten und Personal, das Eintrittsprozedere im Detail. Im Hinblick auf eine bessere Insassenbetreuung formuliert er im Fazit Empfehlungen für eine optimalere Ausgestaltung des Eintritts in die Anstalt.

Macht im Justizvollzug am Beispiel der Abteilung Hochsicherheit und Integration HSI in den Anstalten Hindelbank
Bruno Liechti
Anstalten Hindelbank

Machtgefälle, welche in zwischenmenschlichen Beziehungen zum Tragen kommen, werden durch Rechtsetzung bereits vordefiniert. Asymmetrische Machtkonstellationen und die darauf aufbauenden Gesetze wirken dort am intensivsten, wo dem Individuum aufgrund von Fehlverhalten die Freiheit entzogen wird. Im Hochsicherheitstrakt der Anstalten Hindelbank ist die Autonomie der zu langjährigen Haftstrafen verurteilen Frauen äusserst stark eingeschränkt; gleichzeitig weist die Mehrheit der verurteilten Frauen eine sehr hohe psychiatrische Bedürftigkeit aus. Von dieser Problematik ausgehend untersucht der Autor das Abhängigkeitsverhältnis der Insassinnen gegenüber dem Aufsichts- und Betreuungspersonal. Im Spannungsfeld von Strafe und Therapie, Sicherung und Resozialisierung ergeben sich radikale Widersprüche. Das Wissen um diese Paradoxe stellt für das Aufsichts- und Betreuungspersonal täglich eine grosse Herausforderung dar und zwingt sie zu einer permanenten Auseinandersetzung mit dieser Problematik.

Macht im Arbeitsalltag Freiheitsentzug
Cristiano Martinez
Flughafengefängnis Kloten

Die Arbeit setzt sich mit dem Umgang mit Macht in Institutionen des Freiheitsentzugs auseinander. Nach einer Vorstellung des Flughafengefängnis Kloten geht der Autor auf den Begriff der Macht ein. Er zieht hierzu theoretische Ansätze von John R.P. French, H. Raven und M. Foucault bei. Auf dieser Basis untersucht er den Tagesablauf des Gefängnisses. Abschliessend erläutert der Autor, was unter einem professionellen Umgang mit Macht zu verstehen ist. Auch listet er Möglichkeiten auf, wie Machtmissbrauch verhindert werden kann.

Arrest in der Ausschaffungshaft im Flughafengefängnis
Michael Riediker
Flughafengefängnis Kloten

Der Autor befasst sich mit dem Disziplinarwesen in der Ausschaffungshaft. Er will die Leserschaft für die besonderen Schwierigkeiten sensibilisieren, die sich bei renitentem Verhalten, bei der Arrestierung und beim Arrest stellen. Unter Einbezug der Abläufe im Arrest, eines Fallbeispiels und der Befragung von Mitarbeitenden im Flughafengefängnis Kloten diskutiert er Varianten, mit renitentem Verhalten von Insassen besser umzugehen. Ferner präsentiert der Autor auf der Basis von fachkundiger Literatur Möglichkeiten zur Optimierung. Er identifiziert in diesem Zusammenhang auch alternative Sanktionen, welche den Arrest als Disziplinarmassnahme ersetzen würden und mit denen stärkere Lerneffekte erzielt werden könnten.

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